Weihnachten, das Fest der Besinnung, der Ruhe, des Friedens und der inneren Einkehr? Weit gefehlt!
Es war eins der Jahre, in dem fast jeder aus der Familie einen persönlichen Schicksalsschlag erlitten hatte. Einmal war es die Oma bzw. Mutter, die verstorben war, ein anderes Mal ein liebenswerter Onkel und wieder ein anderes Mal ein Ehepartner, von dem man oder frau sich getrennt hatte. Insgesamt also keine allzu guten Voraussetzungen für eine besinnliche Zusammenkunft.
Mit dieser gedrückten Grundstimmung beging die Familie (bestehend aus afghanischen, südamerikanischen und deutschen Mitgliedern) das Weihnachtsfest.
Vielleicht gerade wegen der ungünstigen Vorzeichen wurde es ein ganz außergewöhnliches Ereignis. Nicht, dass es viel von einem Weihnachtsfest im klassischen Sinne gehabt hätte. Nein, es war eher eine vorgezogene Silvesterparty mit dem Wunsch, die Vergangenheit zurückzulassen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Und was für ein Aufbruch das war: äußerst feucht und für Weihnachten fast schon unangemessen fröhlich. Besinnlichkeit war fehl am Platz. Es wurde lauthals gelacht, zum Teil bis der Tränenfluss einsetzte und furchtbar wild getanzt.
Was sind schon Silvesterböller im Vergleich zur Lautstärke unserer Familie? So manch ein Nachbar meinte wohl er hätte sich im Datum geirrt und zündete um Mitternacht die eigens zu diesem Zweck beschafften Raketen. Was für ein Fest!