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„Sport macht Spaß“

 

Text: Anja Baier

Leider kann man diese Behauptung – neuesten sportmedizinischen Untersuchungen zufolge – so nicht stehen lassen. Zwar geben immer noch knapp 80 Prozent aller Grundschüler an, gerne Sport zu treiben, doch dieses Interesse lässt Jahr für Jahr nach.

Spätestens zu Beginn der Pubertät beschäftigt sich der Nachwuchs mit anderen Dingen. Gameboy statt Gummi-Twist, Fast-Food statt Federball sind angesagt. Die Folgen sind fatal: Haltungsschäden, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Übergewicht, Rückenbeschwerden(!) und rapider Leistungsabfall teilweise schon bei 10-12jährigen.

 

Doch woran liegt’s? Ist es, wie gern behauptet wird, wieder mal Versäumnis der Schule? Laut Statistik fallen tatsächlich mehr Unterrichtsstunden in Sport aus als in anderen Fächern. Andererseits stellt sich die Frage, ob magere 90 Minuten Schulsport pro Woche das Problem wirklich lösen. Auch die Bewegungsangebote in der Freizeit lassen eigentlich nichts zu wünschen übrig. Selbst Sportarten wie Yoga, Aikido oder Jazzgymnastik werden heutzutage schon für die Kleinsten angeboten.

 

Doch obwohl vor 30 Jahren die Angebotspalette mit „Kinderturnen“ und „Fußball“ schnell erschöpft war, sind die Kids von damals sehr viel beweglicher, kräftiger und ausdauernder gewesen: Noch 1974 sprang ein elfjähriges Kind im Durchschnitt rund 16 Zentimeter weiter als im Jahr 1999. Und die Lage verschlimmert sich: Reihenuntersuchungen haben ergeben, dass sich die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen seit den achtziger Jahren um 20 Prozent verschlechtert hat. So erreichen z.B. beim Rumpfbeugen viele Kinder mit den Fingerspitzen nicht ihre Fußsohlen – eine Übung, die vor 20 Jahren jedes gesunde Kind mit Leichtigkeit schaffte.

Ebenso erschrecken muss die Erkenntnis, dass dieser Leistungsabfall mit Übergewicht alleine nicht zu erklären ist – in allen Tests sind auch schlanke Kinder schlapper als ihre Elterngeneration. Was also sind die Gründe?

 

Die Wahrheit ist unangenehm: Wir sind alle ein bisschen faul geworden. Es ist eben bequemer, sich von Kino, TV und DVD bespaßen zu lassen, statt selbst aktiv zu werden. Kurze Wege, die früher zu Fuß oder per Fahrrad erledigt wurden, für die nimmt man nun das Auto. Auch die lieben Kleinen werden häufig durch die Gegend kutschiert, statt sie ruhig mal alleine loszuschicken. Und das Ganze rechtfertigen wir dann vor uns selbst: zu wenig Zeit, zu müde, zu viel Gefahr im Straßenverkehr.

 

Doch wer fragt nach der Gefahr, die durch zuwenig Bewegung entsteht, wer denkt da an gesundheitliche Spätfolgen? Es muss ja nicht gleich die teure Privat-Ballettschule sein – oft genügt es, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Einfach mal am Wochenende das Auto stehen lassen – nicht um vor der Glotze zu landen, sondern um z.B. gemeinsam Schwimmen oder Wandern zu gehen. Es braucht kein Vermögen und keine Olympia-Kondition, um den eigenen Nachwuchs „auf Trab“ zu bringen – ein bisschen Selbstüberwindung reicht schon…

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