Zwei aneinander geschlagene Hohlkörper erzeugen akustisch wahrnehmbare Schwingungen. Wussten Sie schon, dass bereits Babys diesem physikalischen Phänomen experimentell auf den Grund gehen? Sie schlagen zwei kleine Dosen gegeneinander. Oder Kugeln ihrer gerade auseinander genommenen Rassel. Und freuen sich darüber, selbst wenn die Eltern die 274te Wiederholung nervt.
Alex hat die Männchen aus der Malefiz-Schachtel heraus geklaubt und zwei Mannschaften gebildet, Rot gegen Blau. „Schalke – Bayern“, sagt er. Vier Steinchen sind die Torpfosten. Klar, dass Königsblau gewinnt, der Sechsjährige ist schließlich Fan und spielt selbst in der G-Jugend im Mittelfeld. Sein taktisches Verständnis habe in der letzten Zeit spürbar zugenommen, meint der Trainer. Bei der letzten Begegnung hat er den entscheidenden Ball in den freien Raum gepasst. Mit den Malefiz-Männchen übt er zu Hause Laufwege und Stellungsspiel bei Standardsituationen.
Die spielen doch nur? Genau! Und lernen dabei eine Menge über das, was die Welt zusammenhält. Ganz ohne Lehrerin, ganz ohne Stillsitzen im Klassenzimmer, ganz ohne Noten oder Hausaufgaben. Man muss sie auch nicht nötigen, endlich mal den Stift in die Hand zu nehmen. Sie sind von sich aus hoch motiviert. Aktiv erforschen sie alles Neue, was sie gelernt haben, probieren sie aus, bis sie es vollständig beherrschen. Stein auf Stein werden die Klötze geschichtet, völlig hingegeben und selbstvergessen. Darum beneiden Eltern ihre Kinder oft. Mit Recht! Schließlich prallen hier Welten aufeinander: Ergebnisorientiertes, planerisches Handeln und Hingabe an den Moment, an das Fühlen und Erleben.
„Schau, so geht das mit den Steinen, so wird ein Turm daraus“ mag zwar eine gut gemeinte Intervention sein, hemmt das Kind aber eher in seinem Forscherdrang. „Das habe ich selbst gemacht, ganz alleine!“ Dieser Stolz ist es, der anfeuert zu neuen Taten! Pädagogen nennen es die Erfahrung der Selbstwirksamkeit. Deshalb sollten sich Erwachsene, Eltern, Erzieherinnen und Lehrer, mit dem Eingreifen zurückhalten. Sonst wird aus dem selbst Erfahrenen und Erlernten eine Arbeit für die Anerkennung der Großen.
Vor allem Väter unterstützen diese Art zu lernen oft durch neue Herausforderungen. Da wird der Hindernisparcours aus Stühlen, Kissen und Decken ein wenig umgestellt. Schon wird aus dem Dschungelabenteuer eine Bergbesteigung im Himalaja. Allerdings muss man auch den Entwicklungsstand des Kindes im Auge behalten, und hier neigen Väter wiederum dazu, diesen um etwa ein Jahr zu hoch einzuschätzen. Erst mit vier Jahren können Kinder mehrere Aspekte einer Sache im Blick haben: Was vorher nur Ball war, wird jetzt in Fuß- und Basketball, Flummi und Tischtennisball unterschieden.
Seit der PISA-Studie sind Lernspiele stark im Kommen. Eltern wollen ihre Kinder gezielt fördern, vor allem bei Schwächen in der Schule. Verständlich. Schließlich hängt von einzelnen Noten der weitere Lebensweg ab. Lernspiele können durchaus helfen, Rechnen oder Schreiben zu üben. Aber nur, wenn der Spaßfaktor hoch ist. Am höchsten ist er, wenn die Atmosphäre zu Hause am Wohnzimmertisch gut ist und den Eltern das Spiel selbst Freude macht.