Der Kommentar zum Thema von Ulrike Streng
Viele Erwachsene, auch Erzieher, sind der Meinung, dass unsere Kinder die Natur besser wahrnehmen sollten. Sie sollten außerdem bestmöglich zu ihrer Erhaltung beitragen. Ich bin der Meinung, dass Kinder, bevor sie die Natur schützen können, erst einmal die Chance bekommen müssen, sie kennen zu lernen. Sie müssen mit allen Sinnen die Natur mit ihren Pflanzen, Gräsern, Bäumen und Tieren wahrnehmen können.
Wir Erwachsene sind oft die größten „Verhinderer“ solcher Wahrnehmungen. Häufig bleiben Kinder beim Spaziergang stehen, um einen Käfer zu beobachten, der an einem Baum die Rinde hockrabbelt. Oder sie sind fasziniert von der glitzernden Schleimspur einer Schnecke. Und was tun wir Erwachsenen? Ungeduldig fordern wir die Kinder zum Weitergehen auf. „Auf jetzt, beeilt Euch ein bisschen “ oder schlimmer noch, wir sagen: „... als ob ihr noch nie einen Käfer gesehen habt“. Unbewusst nehmen wir so den Kindern die Möglichkeit, ihre Umwelt zu entdecken. Wie sollen sie da beobachten, wahrnehmen und lieben lernen?
In unserer Kindertagestätte gehören Spaziergänge zum Alltag. Leider werden sie oft nur ganz „vernünftig und zweckgebunden“ unternommen. Jeder kennt die Antwort auf die Frage, weshalb in den Wald gehen: „Wir müssen mal an die frische Luft“ oder „Wir brauchen Bewegung“. „Wir erforschen den Wald“ oder „Wir beobachten Insekten“ hört man nur selten als Antwort. Das Wissen unserer Kinder über die Natur und ihre Vorgänge wird immer geringer. Nicht zuletzt dadurch, dass die „virtuellen Babysitter“ – Fernsehen und Computer – in der Welt der Kinder immer dominanter werden. Wir Erwachsenen haben es in der Hand, das Interesse unserer Kinder für die Natur zu wecken. Nur so lernen sie verantwortungsvoll mit „Mutter Erde“ umzugehen. Erwachsene und Erzieher müssen Vorbilder sein und Kindern den richtigen Umgang mit der Natur aktiv vorleben.
In meinem Beruf als Erzieherin, hoffe ich viel Positives dazu beizutragen, dass „Mutter Erde“ weiter durchhält und unsere Kinder für Ihre Schönheit sensibilisiert werden können.