Glitzershirt oder coole Hose:
Was zieht Kinder an?
Texte: Uli Wiegand, Michael Lindermann, Anja Baier Illustration: Thomas Marutschke
Passt die Strumpfhosenfarbe auch zur Unterwäsche? Grübelnd saß meine Vierjährige morgens vorm Schrank. Und das passiert mir! Gehöre ich doch nicht zu den Müttern, die Kinderklamotten nur in der Boutique kaufen und das Mädchen von Geburt an nur in Rosa mit Glitzerapplikation kleiden...
Aber natürlich ist heutzutage Kleidung nicht nur Schutz gegen Kälte und Witterung – auch Kinderkleidung nicht. Kleidungsstücke sprechen und erzählen über Herkunft und soziale Stellung. Wobei der Charakter von Kinderkleidung mehr Spiegelbild der Wünsche und Vorstellungen der Eltern ist, als das der Kinder – zumindest in den ersten Jahren, wenn sie sich Kleider noch nicht selbst aussuchen – doch das beginnt immer früher.
Mütter wollen so jung wie Ihre Töchter aussehen und Mädchen beginnen immer früher die Verhaltensweisen Ihrer Mütter anzunehmen: Markenklamotten sind wichtig und die Schminke findet sich immer früher auf noch kindlichen Gesichtern. Die Kleidung von Kindern und Eltern nähert sich immer mehr an: Hemden für die einjährigen Jungs, Miniröcke schon für die Kindergartenmädchen. Bei den grossen Modefirmen, die inzwischen vermehrt eigene Kinderkollektionen entwerfen, werden die Farben und die Schnitte der „Großen“ teils einfach verkleinert und diese in immer aufwändigeren Kindermodeschauen präsentiert.
Mit hochwertiger Kindermode lässt sich noch Geld verdienen – wobei Deutschland hier eher als zurückhaltend gilt – während in den südeuropäischen Ländern Kinder noch viel mehr „herausgeputzt“ werden. Aber ist es denn wünschenswert, dass Kinder immer mehr zu „kleinen Erwachsenen“ werden – beeinflusst auch durch Werbung und das Fernsehen? |