Nur wer die Natur kennt, lernt sie auch zu schützen
Oh je, ich muss noch schnell meine Schnecke füttern! Rief meine Tochter morgens als wir wieder mal in Eile zur Kita unterwegs waren. Unser Haustier heißt Schnecki und ist vermutlich eine Bänderschnecke. Klar gibt es angenehmere Hausgenossen, aber eigentlich finde ich „Schnecki“ inzwischen eine richtig gute Wahl. Sie ist ein Haustier auf Zeit, lässt sich gut beobachten und ist sehr pflegeleicht. Und wenn das Interesse an ihr erlahmt ist, lassen wir sie einfach wieder frei.
Kinder sind ihrer Umwelt noch viel näher als die meisten Erwachsenen – wenn man sie lässt oder ihnen genügend Gelegenheiten zum Erkunden ihrer Umgebung bietet. Sie sind aufmerksamer für die kleinen Wunder, den fliegenden Schmetterling, das glitzernde Wasser oder den wundervollen Regenbogen. Sonne, Wasser, Luft und Erde – Kinder haben ein natürliches Interesse an ihrer Um-welt und lieben es, die vier Elemente zu entdecken. Dabei wird die Hose schmutzig, die Finger, die eben noch im Matsch wühlten, landen im Mund und der ein oder andere blaue Fleck ist auch nicht zu vermeiden. Aber das direkte Erleben ist durch nichts zu ersetzen. Da hilft nicht die „Sendung mit der Maus“ und auch nicht ”Willi wills wissen“ – hier kann Interesse geweckt und Wissen vertieft werden aber für das echte Leben gibt es eben einfach keinen Ersatz.
Wer hat schon den Wald oder die Wiese direkt vor der Haustür? Und noch immer sind viele Spielplätze, Schulhöfe und Außenbereiche von Kindergarten eher trostlose Ansammlung von Spielgeräten und Sandplätzen – mit Natur hat das nicht viel zu tun. Andererseits gibt es immer mehr Initiativen, engagierte Eltern, Erzieher und Lehrer, die Betonwüsten in naturnahe Plätze verwandeln, in die sich dann auch mal ein Käfer zum Betrachten verirrt. Dabei braucht es nicht viel, um Kindern die Natur nahe zu bringen. Genug Raum zum Klettern und Toben unter freiem Himmel, Aufmerksamkeit für die Umgebung beim Waldspaziergang, Tiere zum Beobachten und viel Zeit und Raum zum Experimentieren mit allem, was wir in der Natur finden. Das kann ein Bohnensamen auf der Fensterbank sein, den man beim Wachsen beobachtet oder die Suppe, die aus Matsch, Wasser, Blättern und Grashalmen „gekocht“ wird.
Das Wissen um unsere Umwelt ist eine Grundvoraussetzung für Kinder, um später selbst damit verantwortlich umgehen zu können. Deswegen ist es so wichtig, das wir unser Wissen weiter geben, die Umwelt schützen und unseren Kindern eine Welt hinterlassen, die intakt ist und die ihnen eine Lebensgrundlage bietet. Dazu gehört vor allem das Kennenlernen von Natur und Umwelt, um sich selbst als ein Teil des Ganzen zu begreifen. Und logischerweise besonders wichtig: die Vorbildfunktion von uns Eltern. Natürlich sind wir nicht perfekt, unser ganzer Lebensstil ist oft nicht umweltverträglich. Aber trotzdem lassen sich im Alltag viele Dinge so regeln, dass sie möglichst wenig unserer Umwelt schaden und dass wir knappe Ressourcen schonen.
Klar braucht man als Eltern einen langen Atem: Mach das Licht aus, wenn Du aus dem Bad gehst. Lass das Wasser nicht laufen, wenn Du die Hände einseifst. Wirf das Bonbonpapier nicht auf den Boden, tue es in den Müll – und zwar in den richtigen ... Solche Sätze muss man hundertmal sagen, bis zumindest manche Dinge zur Selbstverständlichkeit werden. Aber ich glaube, es lohnt sich.
• Ulrike Wiegand