Im Zusammenhang mit der speziellen Förderung von Kindern mit sogenannten Defiziten taucht immer die Frage auf: Was ist (noch) normal? In meinem persönlichen Menschenbild sind alle Erscheinungsformen des Menschen normal. Denn der Mensch an sich ist niemals ein fehlerfreies Wesen.
Grundsätzlich sollte es nur einen Maßstab geben, der als Richtlinie für besondere Förderung von Kindern gilt: Was tut dem Kind gut? Was ist im wahren Sinne des Wortes FÖRDERLICH? Es geht also nicht in erster Linie darum, Eltern, Erzieher oder Lehrer zufrieden zu stellen oder zu beruhigen – obwohl das natürlich auch wichtig ist, denn unsichere Eltern können kaum positiv auf das Kind wirken. Es geht nicht darum ein Kind „funktionstüchtig“ zu machen, sondern ihm zu helfen, in der Welt zurecht zu kommen und das auf seine ganz individuelle Art und Weise.
Wir müssen abwägen, ob es dem Kind schaden könnte, von einem Arzt oder Therapeut zum nächsten geschleppt zu werden oder ob man es in seinem Tun und Können stärkt, damit es mit einem „Defizit“ besser umgehen kann. Wenn man versucht, es auf eine einfache „Formel“ zu reduzieren, könnte man sagen: Fördern so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Wenn Förderung angesagt ist, dann jedoch lieber zu früh, als zu spät. Hierbei geht es nicht um das selbstverständliche pädagogische Fördern jedes Kindes in seinem (Kita-)Alltag, sondern um zusätzliche therapeutische Förderung bei Auffälligkeiten.
Das Wichtigste ist der positive Blick auf das Kind. In den Kitas werden zunehmend Beobachtungsinstrumente eingesetzt. Sollte dabei erkennbar sein, dass dem Kind Unterstützung von therapeutischer Seite nützlich sein könnte, ist ein offener Austausch zwischen Eltern und Erziehern wichtig für die gesunde Entwicklung des Kindes.
• Helga Korbella, Pädagogin & Systemischer Coach