Kindertagesstätten beschäftigten sich mit Bildungsauftrag Vor über 230 interessierten pädagogischen Fachkräften erläuterte im Großen Hörsaal (Audimax) der FH Wiesbaden der bundesweit bekannte und renommierte Bildungsforscher Professor Dr. Gerd Schäfer das „Lernen und die Bildungsprozesse“ von Kindern mit der besonderen Sicht auf deren Entwicklungs- und Wahrnehmungsfähigkeiten. Er betonte die vielfältigen Potentiale und Fähigkeiten der Kinder, sich die Welt durch Selbsttätigkeit aktiv anzueignen; das Kind lernt und bildet sich selbst aus seinem Erfahrungslernen heraus. Die wichtigste Aufgabe der Erzieher besteht nach seiner Auffassung deshalb darin, durch gezieltes Beobachten dieser Aktivitäten das Kind als handelnde Person neu zu entdecken. Der Erzieher lernt dabei das Zutrauen in die Fähigkeiten der Selbstkonstruktion und Selbstbildung der Kinder.
Professor Dr. Schäfer ist bekannt für seine kritische Haltung zu den Erziehungs- und Bildungsplänen der Länder. Er sprach sich gegen eine zu sehr an kognitiven Lernzielen ausgerichtete Vorschulpädagogik aus. Für die pädagogischen Fachkräfte aus den Wiesbadener Kindertagesstätten eine interessante These, zumal sich viele Fachkräfte derzeit aktuell wieder mit der Freinet-Pädagogik beschäftigen und hierzu ein Handlungskonzept entwickeln.
Professor Dr. Schäfer folgte einer Einladung des Sozialdezernenten, Arno Goßmann, der die Veranstaltung auch eröffnete. Stadtrat Goßmann sprach in seinem Redebeitrag von der „speziellen Verantwortung der Kommune für die Bildungsprozesse der Kinder“.
Goßmann: „Die kommunale Ebene ist am nahesten dran an den Bürgern. Die Rolle der Kommunen an dem Bildungsprozess der Kinder ist daher groß und verantwortungsvoll. Wir müssen es schaffen, die beste Qualität in den Kindertagesstätten umzusetzen. Hierzu sind praxisorientierte Konzepte, eine gute räumliche und sächliche Ausstattung sowie vor allem kompetente und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notwendig.“
Die Abteilung Kindertagesstätten im Amt für Soziale Arbeit hat sich in den letzten Jahren intensiv mit unterschiedlichen Konzepten frühkindlicher Bildung beschäftigt und hierzu jeweils ausgewiesene Experten als Gastreferenten eingeladen. Professor Dr. Schäfer ist nach den renommierten Persönlichkeiten Professor Dr. Dr. Dr. E. Fthenakis, Professor Dr. Gisela Lück und Dr. Kreuz ein weiterer bundesweit bekannter Bildungsexperte der in Wiesbaden auf Einladung des Sozialdezernenten seine Visitenkarte abgab.
Die Veranstaltung fand diesmal erstmals in der Fachhochschule Wiesbaden statt. Mit Unterstützung von Professor Dr. Schmidt vom Fachbereich Sozialwesen gelang es den Wissenschaftsbetrieb der Fachhochschule in dieses spannende Thema aus dem Bereich Vorschulbildung einzubinden. Professor Dr. Schmidt warb in einer Ansprache für die berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen bzw. Studiengänge der Fachhochschule Wiesbaden. Besonders das Projekt „basa-online“ ist besonders für die Förderung der Hochschulbildung von Frauen relevant, denn er eröffnet für die im Sozialbereich tätigen Frauen mit einer entsprechenden mehrjährigen Berufstätigkeit eine gezielte Weiterqualifikation und verbessert die Chance eines Wiedereinstiegs nach einer Familienphase. 
29.02.08 | WiesbadenWiesbadener Familien kehren der Innenstadt vermehrt den Rücken Derzeit haben fast 140.000 Haushalte ihren offiziellen Wohnsitz in Wiesbaden. Wer wo in der hessischen Landeshauptstadt wohnt, unterliegt dabei ständiger Veränderung. Im Schnitt der Jahre 1998 bis 2006 packten jährlich rund 10.000 Wiesbadener Haushalte die Umzugskisten, um in der Stadt eine neue Bleibe zu beziehen. Zählt man noch dazu, wie viele Haushalte über die Stadtgrenzen hinweg zu- oder wegziehen, kommt man auf rund 25.000 mobile Haushalte im Jahr.
Wie verteilt sich dieses enorme Zu-, Weg- und Umzugsgeschehen über das Wiesbadener Stadtgebiet? Wo ziehen besonders viele Haushalte zu oder weg? Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Haushaltstypen im Umzugsverhalten, also wie häufig und wo in Wiesbaden bestimmte Haushalte einen Wohnstandortwechsel vollziehen? Antworten auf diese Fragen gibt eine neue Analyse von Umzugsdaten, die das Amt für Statistik und Stadtforschung nun vorlegt. Dabei werden vor allem Familien mit Kindern in den Blick genommen, da diese als besonders wichtige Zielgruppe gelten, wenn es darum geht, Einwohner an die Stadt zu binden und nicht an das Umland zu verlieren.
Welche Haushalte sind besonders „umzugsfreudig“? Generell sind Einpersonenhaushalte mobiler als größere Haushalte. Haushalte mit ausschließlich nichtdeutschen Mitgliedern sind stärker umzugsfreudig als solche, in denen nur Deutsche leben, und Familien mit Kindern sesshafter als kinderlose Haushalte. Insgesamt lässt sich aus den Wanderungsdaten keineswegs ablesen, dass Haushalte mit Kindern Wiesbaden besonders häufig den Rücken kehren. Umzugsfreudige Familien entscheiden sich häufiger für eine neue Wohnung in der Stadt als etwa mobile Singles, bei denen die Wegzüge aus Wiesbaden höhere Anteile erreichen. Dennoch hat Wiesbaden in den letzten Jahren im Saldo einige Verluste von Familien an das Umland hinnehmen müssen, vor allem in den angrenzenden Rhein-Taunus-Kreis sowie die übrige (süd-)westliche Region um Wiesbaden. Für kinderlose Haushalte konnte Wiesbaden dagegen in den letzten Jahren fast durchgängig Wanderungsgewinne im Austausch mit dem Umland verzeichnen.
Auch innerhalb Wiesbadens zeigen Familien mit Kindern eine größere „Standorttreue“. Durch einen Wohnungswechsel innerhalb des angestammten Ortsbezirks muss die gewohnte Alltagsinfrastruktur nicht aufgegeben werden, was für Haushalte mit Kindern häufig eine „Mobilitätsbremse“ darstellt. Allerdings gibt es zwischen den Ortsbezirken eine beachtliche Spannweite darin, um wie viel stärker die Bindung von Familienhaushalten an den Ortsbezirk gelingt.
Die Analyse der Wanderungsdaten getrennt nach Haushaltstypen deckt auf, dass Gebiete in Wiesbaden, die in den letzten Jahren deutliche Wanderungsgewinne machen konnten, nicht immer im gleichen Maße für Familien attraktiv waren, zum Beispiel ging ein Wanderungsüberschuss im Dambachtal mit einem negativen Saldo der Familienhaushalte einher. Umgekehrt konnten manche Wohngebiete zusätzliche Familien gewinnen, obwohl insgesamt mehr Haushalte das Gebiet verließen als neu dort ansiedelten.
Auffällig ist, dass sich der „Familienschwund“ vor allem in mehreren innerstädtischen Planungsräumen konzentriert: Bleichstraße, Luxemburgplatz, Bergkirchenviertel, Adolfsallee, Zentrum. Diese Gebiete verlieren also zunehmend an Attraktivität für Haushalte mit Kindern.
Zu den stärksten Familien-„Gewinnern“ zählen dagegen hauptsächlich westlich vom Stadtzentrum gelegene Gebiete wie Europaviertel, Sauerland I, Klarenthal-Süd und Städtische Kliniken.
Die Veröffentlichung „Stadtbeobachtung aktuell, Nr. 43“ kann aus dem Internet heruntergeladen werden. Sie liegt im Bereich: Die Stadt/Stadtinformationen/Statistik (http://www.wiesbaden.de/statistik). 
|