Flummi: Gesund? Iiihhh, das schmeckt nicht. Dieses Vorurteil haben nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene. Warum hält sich dieses Vorurteil so lange in den Köpfen?
Marion Thomas-Nüssler: Meine Generation hat gerade die Anfänge der Ökokultur miterlebt. Also Müsli und Rosshaarmatratzen. Mit den Anfängen dieser Bewegung haben wir aber auch immer Verzicht und „Blutleere“ verbunden. Genuss hatte hier keinen Platz. Ich denke dies spukt noch immer in unseren Köpfen herum und wir haben es an unsere Kinder weitergegeben. Die SlowFood-Bewegung setzt sich gerade für den Genuss ein und zeigt, dass eine gesunde Ernährung Spaß machen kann.
Flummi: Wie können Kinder lernen, dass Gesundes gut schmeckt?
Marion Thomas-Nüssler: Ganz einfach: In dem man Kinder Schulgärten errichten
und betreuen lässt, in denen sie ihr Gemüse und Obst selber ziehen, ernten und anschließend in der Schulküche zu leckeren Mahlzeiten verarbeiten. Das wichtigste dabei ist das Erlebnis des Sehens, Riechens und Schmeckens.
Flummi: Warum ist bei Kindern eine gesunde Ernährung so wichtig?
Marion Thomas-Nüssler: Gelingt es, Spaß am Kochen zu vermitteln sowie den Geschmack zu schulen, dann dürfte sich das Ernährungsverhalten vor allem von Kindern deutlich verbessern. Das ist schon aus gesundheitlichen Gründen zwingend erforderlich. Problematische Ernährungsweisen führen zu kaum lösbaren Finanzproblemen im Gesundheitswesen.
Flummi: Welche Fehler machen Eltern immer wieder?
Marion Thomas-Nüssler: Beim Einkauf von Lebensmitteln sollten sich Eltern öfter fragen: „Wo kommt das Produkt her und was ist drin?“ Eltern machen es sich da häufig leicht. SlowFood versucht, Produzenten und Konsumenten unter ein Dach zu bekommen. Wir verkaufen keine Produkte, sondern empfehlen Konsumenten Produkte aus der Region, die eine gute Qualität haben und sorgfältig hergestellt worden sind. Wir sollten unseren Kindern mit dem Kauf guter Produkte ein Vorbild sein.
Flummi: Gesunde Ernährung und Bewegung – warum gehört dies beides so untrennbar zusammen?
Marion Thomas-Nüssler: Ich will und kann an dieser Stelle keine ernährungswissenschaftliche Erklärung darüber abgeben. Jede in Maßen betriebene sportliche Aktivität kann als positive körperliche Sinnesempfindung mit einem Wohlbehagen empfunden werden, also als Genuss. Ein mit gesunden Nahrungsmitteln gut zubereitetes Essen mit Freunden oder der Familie ist für mich auch ein Genuss. Gesunde Ernährung und Bewegung sind nicht trennbar und gehören für mich als Genießerin zu meinem persönlichen Alltag dazu.
Flummi: Wir danken für das Gespräch!