Nach der Geburt kann man sich meist gut auf die Symbiose einlassen – ich zumindest habe den Kinoabend keinesfalls vermisst. Aber schon zu dieser Zeit beginnt das Dilemma: Wann ist meine eigene Grenze erreicht, z.B. nach einigen durchwachten Nächten und anstrengenden Tagen bei Krankheit, Zahnen oder sonstigen Ereignissen. Oder bleibt man auch dann noch gelassen?
Wann wird man von der liebevollen Mutter zur „Bestie”, die mal rumschreit und die Fassung verliert, weil die Nerven blank liegen?
Sicherlich ist das für jeden anders und von der jeweiligen Lebenssituation und Anzahl der Kinder abhängig. Trotzdem glaube ich, das Eltern sein auch bedeutet, sich selbst besser kennenzulernen und das Leben intensiv zu spüren: ob man sich auf kuschelige Momente im Bett, einen ruhigen Nachmittag beim gemeinsamen Legobauen einläßt, oder erträgt wenn der kleine Trotzkopf sich schreiend im Kaufhaus auf den Boden schmeißt und man mit mitleidigen Blicken oder völligem Unverständnis seitens seiner Mitmenschen bedacht wird. All das ist Leben pur.
Aber wer seine Kinder nicht als einzigen Sinn des eigenen Lebens begreift – zumal sie irgendwann aus dem Haus gehen und ihr eigenes Leben leben wollen – wird dem Dilemma kaum entkommen: wieviel Zeit für mich, wieviel Zeit für das Kind? Und wieviel Zeit für die Paarbeziehung? Ein Abend alleine, zu zweit oder in der Gruppe bewirkt manchmal Wunder: zufriedene Eltern sind einfach die „Besten”.
• Uli Wiegand