Was, Du bist schwanger? Das wird Dein Leben verändern! Diese und ähnliche Sprüche hört man, wenn der Bauch dicker wird.
Ach was, dachte ich, ich freue mich doch drauf, wieso soll das mein Leben verändern und wenn, dann nur positiv! Klar muss manches anders organisiert werden – so dachte ich unbeschwert und wachte aus diesem Traum unsanft nach der Geburt auf. Alles war anders! Mein Gefühlsleben völlig durcheinander, ich war ohne „Job“ und mein Mann plötzlich derjenige, der alleine aus dem Haus ging. Und als ich eines morgens leider noch ungewaschen im Bademantel dem Handwerker die Tür öffnete, musste ich fast selbst lachen über das Klischee, von dem ich nie geglaubt hätte, dass es mich trifft: Die unorganisierte Mutter mit eher schlampigem Outfit, obwohl sie den ganzen Tag zu Hause ist. – Nicht mal die einfachsten Dinge schafft man mit Baby!
So werden aus Paaren Eltern – und in der ersten Zeit eben „nur“ Eltern. Eltern bleibt man ein Leben lang – dass dabei auch die Paarbeziehung weiter existiert, ist heute nicht mehr selbstverständlich. Auch die Sichtweise hat sich verändert: war man früher häufig aus wirtschafltichen Gründen ein Leben lang zusammen, so zählt heute die Liebe als Kriterium, ob die Beziehung intakt ist.
Aber wie schafft man es, zwischen Windeln und Lätzchen oder auch zwischen Fahrdienst zum Musikunterricht für den Großen und trotzig schreiendem Kleinen Zeit und Muße für den Partner zu haben? Der wiederum gestresst von der Arbeit kommt und erwartet, dass die Hausarbeit erledigt ist? Befragt man Eltern dazu, wie sie das in ihrer Beziehung sehen, kommt erstmal ein großes „puuuh“ und dann meist: ach, wir machen das viel zu selten, dass wir (als Paar) zusammen was unternehmen. Und damit ist auch schon ein Teil der Frage beantwortet: perfekt gelingt es keinem Paar. Jedes Paar versucht auf seine Weise, sich Freiräume zu verschaffen, in denen man nicht (nur) Eltern ist und je nach persönlicher Situation gelingt das gut oder eben weniger gut. Ganz oft sind dafür auch viele äußere Umstände verantwortlich: die jeweilige Arbeitssituation, die Betreuungsmöglichkeiten beispielweise durch Großeltern und auch das gängige Kleinfamilienmodell spielt dabei eine Rolle. In der früheren Großfamilie teilten sich alle die Kinderbetreuung, heute sind es oft die Mütter, die mit den Kleinen für sich alleine zu Hause sind. Hat man sich Freiräume oder kinderfreie Zeit geschaffen, nutzt man sie nicht immer als Paar: man möchte auch eigene Freunde treffen, den eigenen Hobbys nachgehen, Sport treiben und vieles mehr. Da bleibt gerade bei mehreren Kinder nicht viel Zeit übrig ...
Das Thema „Zeit haben“ und eben auch „sich Zeit nehmen“ ist für eine Paarbeziehung wesentlich – die Beziehung will gepflegt werden und dafür braucht es gemeinsame Zeit. So banal diese Erkenntnis klingt, so wichtig ist sie.
Hier ein paar ganz persönliche Tipps:
Das Paarsein thematisieren.
Alles dreht sich um die Kinder – auch die Gespräche. Ob das der erste Zahn ist, die Wahl des Kindergartens, die Hausaufgabenbetreuung – rund um die Kinder gibt es viel zu erzählen und viele Probleme zu lösen. Oft bestimmen aber die Kinderthemen auch die wenigen ruhigen Abendstunden und die eigenen Gefühle und Erlebnisse sind kein Thema mehr. So verliert man leicht den Kontakt zueinander. Ergo: was würdest Du gerne mal wieder tun, Schatz?
Freundschaften mit Menschen ohne Kinder pflegen.
Meist gar nicht so einfach: als ich noch kein Kind hatte, haben mich Gespräche über den richtigen Brei, die richtige Schulwahl oder das Fussballspiel der F-Jugend am Samstag wirklich nicht interessiert. Als Eltern könnte man darüber stundenlang quatschen – egal ob Mann oder Frau – zumindest was das Fußballthema betrifft! Trifft man sich aber mit Freunden ohne Kinder, sollte man die Kinderthemen nicht den ganzen Abend lang auswalzen, sondern eben mal wieder über eigene Ideen und Gefühle plaudern. Es ist hilfreich, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken.
Paarzeit einplanen.
Eltern müssen planen – das unterscheidet ihr Leben gravierend vom Leben als Paar. Dann planen Sie! Aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn der Plan dann doch nicht klappt, das ist völlig normal: Just am Abend, an dem man mal wieder gemeinsam ausgeht, kriegt der Kleine Fieber oder der Babysitter sagt ab. So ist es halt. Wenn man sich davon nicht unterkriegen lässt, ist gemeinsame Zeit einfach wunderbar – auch wenn man sich daran fast wieder gewöhnen muss ...
Tipps zum Thema gibt es jede Menge – mein letzter lautet: einfach andere Paare fragen, wie sie das so machen. Oft bekommt man gute Ideen und man erfährt, dass es auch für andere nicht immer leicht ist.
Text: Ulrike Wiegand