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Von Puppen, Pubertät und anderen Sorgen 
Wenn der Altersabstand zwischen den Geschwistern klein ist, dann spielen die viel besser zusammen“, sagten mir Freunde.
Der Altersabstand ist klein – etwas weniger als zwei Jahre. Sie spielen trotzdem nicht viel zusammen. Vielleicht liegt es ja daran, dass sie nicht vom selben Geschlecht sind? Jella will mit mir Puppen spielen, wir kochen Kaffee in ihrer kleinen Küche und laden Jos zum Mitspielen ein. „Ja, ich komme gleich“, ruft der ganz entzückt. Und ich denke schon „klappt doch“, bis er dann mit seinem Bionicle-Monster um die Ecke saust. Und dieser Bionicle will natürlich nicht Kaffee trinken, sondern die Puppen retten, die selbstverständlich in unglaublicher Gefahr sind.
Ich habe eine kleine Prinzessin und einen großen Superhelden, der nie mit Waffen spielen sollte, im ersten Kindergartenjahr aber ein so tolles Maschinengewehr aus Holz gebaut hat, dass Mama vor soviel Kreativität die Waffen streckte und das Gerät bis heute einen Ehrenplatz im Kinderzimmer hat.
Ich weiß schon, dass ich meine Kinder von Anfang an unterschiedlich behandelt habe. Das fing schon damit an, dass ich meine Tochter als Baby gerne mädchenhaft angezogen habe. Meinem Sohn traue ich motorisch mehr zu als meiner Tochter. Er darf auf dem Spielplatz überall hinaufklettern und herunter springen. Meine Tochter halte ich eher zurück und muss mich dann überwinden, sie auch zu lassen.
Bei aller Unterschiedlichkeit, stelle ich bei beiden aber auch Eigenschaften fest, die nicht ins Klischee passen. Mein Sohn ist zum Beispiel ein großer Schmuser, er ist unglaublich süß zu Tieren und Babys. Meine Tochter hingegen findet kleinere Kinder doof, weil sie mit ihr nicht mithalten können. Die neuesten Studien über die Wirkungslosigkeit geschlechtsneutraler Erziehung beruhigen mich ein wenig. Gerade habe ich ganz zufrieden im Spielwarenladen ein Prinzessinnenbuch ausgesucht und ein Gummischwert bewundert. Früher hatte ich dabei ein schlechtes Gewissen. Schließlich sollen meine Kinder emanzipierte Erwachsene werden. 
Zwei Männer und ein Vater
 - Michael Lindermann und seine Söhne
Max geht stramm auf die 19 zu, David wird bald 17. Führerschein und Schule, Sport und PC, Kino und Partys – eben das übliche Programm, das bei den meisten Jugendlichen, egal ob weiblich oder männlich, den Alltag bestimmt. Was wäre anders, wenn wir zwei Mädchen hätten? Ich weiß es mangels eigener Erfahrung nicht. Aber aus Erzählungen anderer Mädcheneltern schätze ich, dass wahrscheinlich die Zimmer ordentlicher aussehen würden. Vermutlich wären auch die Wände mit Popstars oder Pferden vollgepostert. Und vielleicht würde auch deutlich mehr mit wem auch immer dauertelefoniert.
Der Vater als Vorbild, der Vater als Konkurrent? Gerade zu Beginn der Pubertätsphase habe ich in vielen Details gemerkt, dass unsere Jungs langsam „flügge“ werden und es „mir zeigen wollen“. Während ich die beiden früher beim Badminton mühelos „beherrschte“, hat sich der Spieß heute umgedreht. Man nimmt mitfühlend Rücksicht auf mein Alter, schenkt mir Punkte und verliert manchmal absichtlich gegen mich. Während ich klatschnass durchgeschwitzt nach Luft japse, hat Max seine Trainingsjacke noch nicht einmal ausgezogen – herzlos! Vielleicht würden Mädchen das geschickter anstellen, wer weiß?
Thema Pubertät: Von vielen mädchenerziehenden Eltern weiß ich, dass diese Phase ganz schön hart, manchmal sogar sehr hart sein kann. Wir hatten mit unseren Jungs Glück. Dass sie in der Pubertät waren, merkte man an aufkeimenden Pickeln, dem ersten Flaum und einigen wenigen, unspektakulären Grundsatzdiskussionen. Ohne knallende Türen, ohne Tränen, ohne Geschrei. Und: Die Jungs wollten öfters alleine sein, zogen sich ins Zimmer zurück und tauchten in die Welt mir fremd klingender Musik ein und ab. Auch wirtschaftlich gesehen, so meine Vermutung, dürften Jungs mit Blick auf das Familienbudget besser als Mädchen abschneiden. So war bei uns das Thema Klamotten nie ein Problem, zumal wir die beiden schon früh über die Idiotie teurer Markenkleidung aufgeklärt haben. 
Fahrradurlaub mit einer befreundeten Familie
 - Karin, Mutter von drei Mädchen im Alter von 2, 8 und 10 Jahren
Zwei Kinder waren im gleichen Alter und hatten ein gemeinsames Hobby: Piraten. Gelegentlich ließen sich unsere Tochter und der Sohn der befreundeten Familie dazu überreden, doch mit den Vätern Fußball zu spielen, aber das Planschbecken, die Pappmesser und die Augenklappen waren meist interessanter. Alles hätte für unseren Papa so gut sein können, wenn da nicht die große Tochter und die Liebe zum Puppenspiel gewesen wäre. Nach einer sehr anstrengenden Fahrradtour sollte der Vater mit den Töchtern und ihren Puppen spielen. Henni und Luise ließen weder: „Ich habe keine Lust“ noch „Es gibt doch nur zwei Puppen“ gelten. Selbst auf die Ausrede: „Das kann ich nicht, das habe ich nicht gelernt“ wussten sie eine Lösung: Die Übungsstunde im Puppenspiel musste her. Und da waren beide eisern. Für uns anderen Erwachsenen war es eine Freude zu erleben, wie sich der fußballliebende Papa von zwei Mädels so „geschlagen“ hat. Schnell hat er gelernt, dass die Puppen wie Kinder gewickelt werden und dass das Anziehen einer Puppe sogar leichter als im wahren Leben das Anziehen zweier Töchter ist. Nach 20 Minuten aber hatte er beschlossen: seine Puppe schläft jetzt. (Und sie schläft auch nach zwei Jahren noch) – Puppen waren nach dieser Aktion für den Papa nicht mehr aktuell und bei unseren großen Töchtern hat sich dieses Spiel zu seinem Glück auch verwachsen. Mittlerweile haben wir ein drittes Mädchen und der Puppenwagen wurde nicht nur als Gehhilfe von ihr wieder aktiviert. Aber die dritte Tochter hat endlich auch eine Neigung zu Müllauto und Bagger ... Nach oben |
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